Messprogramme einkaufen oder selbst erstellen? — CSL Industrielle Messtechnik
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Wissen · Messtechnik

Messprogramme einkaufen oder selbst erstellen?

Messtechnik Christian Schärer · 22. April 2025

Die Frage stellt sich in jedem Prüflabor und in jeder Qualitätssicherung: Messprogramme selbst erstellen oder einkaufen? Eine pauschale Antwort gibt es nicht. Es gibt aber Kriterien, mit denen sich die Frage für den eigenen Betrieb rechnen lässt.

Die Ausgangslage

Interne Messtechnik pendelt in der Praxis zwischen zwei Zuständen — beide kosten Geld, aber auf verschiedene Weise.

Zu wenig Auslastung
Qualifizierte Mitarbeitende und Messgeräte sind nicht ausgelastet. Die Fixkosten laufen weiter, die Investition bringt keinen Beitrag.
Produktionsspitzen
Der Prüfumfang übersteigt die Kapazität. Dann leidet entweder die Durchlaufzeit oder die Prüftiefe — und mit ihr die Aussagekraft der Messung.

Der Fachkräftemangel verschärft beides. Die Einarbeitung in ein 3D-Messsystem dauert lange, erfahrene Messtechnikerinnen und Messtechniker sind stark nachgefragt.

Was die interne Erstellung wirklich kostet

Wer die Kosten vergleicht, rechnet meist nur die Programmierzeit. Vier Positionen kommen dazu und entscheiden das Ergebnis:

1
Maschinenzeit
Wird direkt an der Maschine programmiert, steht sie für Messungen nicht zur Verfügung. Diese Zeit fehlt im Prüfdurchlauf.
2
Software und Unterhalt
Offline-Programmierung und Simulation sind in Anschaffung und Wartung teuer — unabhängig davon, wie viele Programme im Jahr entstehen.
3
Normenpflege
Messprogramme müssen den geltenden ISO-GPS-Anforderungen entsprechen. Normen ändern sich, das Wissen dazu muss gepflegt werden.
4
Einarbeitung und Vertretung
Fällt die Person aus, die programmiert, steht das Wissen nicht zur Verfügung. Zwei Personen einzuarbeiten verdoppelt den Aufwand.

Was die externe Erstellung leistet

Ohne Maschinenstillstand. Das Programm entsteht offline am digitalen Zwilling und wird erst zum Einfahren auf die Maschine gebracht. Messstrategie, Antastpunkte und Bezugssystem sind dann bereits geprüft.

Normgerecht und nachvollziehbar. Die Spezifikation der Zeichnung wird vor der Programmierung geprüft. Was nicht prüfbar spezifiziert ist, fällt vor dem Programm auf, nicht im Audit.

Aufwandsbasiert. Abgerechnet wird der Aufwand, der anfällt. Bei wiederkehrendem Bedarf lässt sich das über ein Stundenkontingent vereinbaren.

Übertragbares Wissen. Die gelieferten Programme sind dokumentiert und lesbar. Sie lassen sich intern weiterpflegen und dienen als Vorlage für die nächsten Teile.

Woran sich die Entscheidung festmacht

Eher selbst erstellen
Wenn laufend neue Teile in Serie gehen, die Programmierung fest besetzt ist, die Software vorhanden ist und die Maschine Kapazität für das Einfahren hat.
Eher einkaufen
Wenn der Bedarf schwankt, ein Neuteil kurzfristig geprüft werden muss, die Zeichnung ISO-GPS-Merkmale enthält, die intern selten vorkommen, oder die Maschine ausgelastet ist.

Fünf Fragen vor der Entscheidung

  • Wie viele Programme entstehen im Jahr — und wie verteilt sich das über die Monate?
  • Was kostet eine Stunde Maschinenzeit, die für die Programmierung belegt ist?
  • Wer programmiert, wenn diese Person nicht verfügbar ist?
  • Sind die Merkmale der Zeichnung eindeutig und prüfbar spezifiziert?
  • Ab welcher Stückzahl trägt die eigene Software ihre Kosten?

Die Antworten liegen in Ihren Zahlen, nicht in einer allgemeinen Regel. Wer sie beisammen hat, sieht die Entscheidung meist deutlich.

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Veröffentlicht 22. April 2025