Prüfbericht ist nicht gleich Prüfbericht: die Varianten im Überblick
Am Ende jeder Prüfung steht ein Bericht — aber welcher?
«Bauteile prüfen lassen» endet immer mit einem Dokument. Was darin steht, ist jedoch nicht überall dasselbe: Die Varianten unterscheiden sich in Aussage, Umfang und Aufwand — und damit im Preis und in der Durchlaufzeit. Wer die passende Variante bestellt, zahlt nicht für Zahlen, die er nicht braucht, und wartet nicht auf Analysen, die er von Anfang an wollte.
Im Kern sind es drei Fälle: der Prüfentscheid — gut oder nicht gut, mit Zahlenwerten je Merkmal —, der Analysebericht mit Formplots, der zeigt, wo der Fehler liegt, und der Korrekturbericht, der Abweichungen beim Einrichten in Werkzeugkorrekturen für die CNC-Fertigung übersetzt. Analyse und Korrektur sind deutlich aufwändiger als der Prüfentscheid und werden darum sinnvoll auf ausgewählte Merkmale eingegrenzt.
Die Varianten im Überblick
| Variante | Aussage je Prüfmerkmal | Typischer Einsatz |
|---|---|---|
| Prüfbericht mit Konformitätsaussage — der Standard | konform / nicht konform je Merkmal — mit Nennmass, Toleranz, Istwert und Abweichung zum Nennmass | Wareneingang, Quality Gate, Erstmusterprüfung (EMPB, FAI), Serienbegleitung, Nacharbeit, Reklamation |
| Erstmusterprüfbericht (EMPB, FAI) | alle Zeichnungsmerkmale vollständig, nach VDA 2 oder Kundenformular | Bemusterung, Neuanlauf, Änderungsstand |
| Falschfarbenvergleich | flächige Soll-Ist-Abweichung als Bild (3D-Scan, CT) | Form- und Flächenabweichungen, Werkzeugkorrektur |
| Analysebericht mit Formplots | zeigt, wo am Bauteil der Fehler liegt — mit Ursache | bekannte oder strittige Abweichungen; deutlich aufwändiger — auf ausgewählte Merkmale eingrenzen |
| Korrekturbericht | übersetzt Abweichungen in Werkzeugkorrekturen: welches Werkzeug, welche Richtung, welcher Betrag | Einrichten und Rüsten beim Fertigungsauftrag, zusammen mit dem CAM-Programmierer |
Der Standard: Konformitätsaussage mit Zahlenwerten
Der Prüfbericht bei CSL beantwortet je Prüfmerkmal die Frage konform oder nicht konform — und liefert die Zahlen gleich mit: Nennmass, Toleranz, Istwert und die Abweichung zum Nennmass. Liegt ein Merkmal ausserhalb, weisen wir aus, um wie viel es die Toleranz überschreitet. Damit ist der Prüfentscheid dokumentiert, und Nacharbeit, Reklamation oder Lieferantengespräch haben eine belastbare Grundlage.
Seriös ist der Konformitätsentscheid nur mit einer vereinbarten Entscheidungsregel: SN EN ISO 14253-1 regelt, wie die Messunsicherheit beim Konformitätsnachweis berücksichtigt wird. Ob Toleranzgrenzen dafür eingeengt werden oder die einfache Akzeptanz gilt, legen wir vor der Prüfung mit Ihnen fest. Auf Wunsch weisen wir die Messunsicherheit je Merkmal aus — nach ISO 15530-3, mit k=2.
Der EMPB ist ein eigenes Format
Die Erstmusterprüfung dokumentiert nicht ausgewählte, sondern alle Merkmale der Zeichnung — mit Positionsnummern, nach VDA Band 2 oder auf Ihrem Kundenformular. Sie gehört zur Bemusterung bei Neuanlauf und Änderungsstand und folgt eigenen Regeln. Mehr zur Erstmusterprüfung →
Der Analysebericht mit Formplots: wo liegt der Fehler?
Der Prüfbericht stellt fest, der Analysebericht verortet. Formplots stellen die gemessenen Punkte grafisch dar — überhöht, damit das Muster sichtbar wird: Wo am Umfang liegt die Rundheitsabweichung? Kippt die Ebene, oder ist sie ballig? Das Muster führt zur Ursache — eine Dreiecksform am Umfang deutet etwa auf die Spannkraft der Aufspannung, ein regelmässiges Wellenmuster auf Schwingungen im Prozess.
Das ist deutlich aufwändiger als der Prüfentscheid: mehr Messpunkte, angepasste Filter, je nach Fall Wiederholmessungen — und die Auswertung braucht Erfahrung. Darum grenzen wir die Analyse auf die betroffenen Merkmale ein, statt sie über die ganze Zeichnung zu legen. Das Ergebnis: die Ursache — und damit die Grundlage für die Korrektur.
Der Korrekturbericht: Werkzeugkorrektur beim Einrichten
Der dritte Fall gehört in die Fertigung. Beim Einrichten eines Auftrags wird das Erstteil gemessen, und der Korrekturbericht übersetzt die Abweichungen in konkrete Werkzeugkorrekturen für die CNC-Maschine: welches Werkzeug, in welche Richtung, um welchen Betrag — damit die Spezifikation erfüllt wird. Er entsteht in Zusammenarbeit mit dem Ersteller des CAM-Programms und begleitet oft das erste Einrichten und Rüsten beim Auftrag. Nach der Korrektur bestätigt eine Wiederholmessung das Resultat.
Häufig zeigt die Analyse eine Scheinabweichung: Das Bauteil ist in Ordnung, die Messbedingung war es nicht — etwa weil das Teil beim Messen nicht temperiert war. Warum jedes Zeichnungsmass eine Temperatur hat →
Die Reihenfolge in der Praxis
Bewährt ist der zweistufige Weg: zuerst der Prüfbericht über alle Prüfmerkmale — Entscheid und Abweichung je Merkmal liegen damit vor. Die Analyse folgt danach, und zwar nur für die auffälligen Merkmale. So bleibt der Aufwand dort, wo er etwas bringt.
Abweichungen schon bekannt? Wenn Sie bereits wissen, dass Merkmale abweichen und die Ursache analysiert werden soll, sagen Sie es in der Anfrage. Dann legen wir Messstrategie und Bericht von Anfang an darauf aus — mehr Messpunkte an den kritischen Merkmalen, Wiederholmessungen, Temperaturprotokoll — und offerieren Prüfung und Analyse in einem Durchgang. Das erspart eine zweite Aufspannung und eine Nachofferte.
Für die Offerte genügen drei Angaben: Zeichnung, gewünschte Berichtsvariante und — falls vorhanden — was schon über die Abweichung bekannt ist.
Was in jedem CSL-Prüfbericht steht
Unabhängig von der Variante: je Merkmal Nennmass, Toleranz, Istwert, Abweichung und Entscheid; dazu das eingesetzte Messgerät mit Rückführung, Messbedingungen, Datum und Prüfer. Referenztemperatur nach ISO 1 im klimatisierten Messraum — zum Prüflabor →
Quellen
VDA Band 2 — Sicherung der Qualität von Lieferungen — Produktionsprozess- und Produktfreigabe (PPF)